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12_HUT_3_08


Leicht und sicher übers Moor


Die Bundesstraße B 304 ist eine der östlichen Hauptverkehrsadern für die Pendlerströme in Richtung München. Durch die enorme Fahrzeugdichte kommt es auch in der besonders engen Ortsdurchfahrt der Kreisstadt Ebersberg zu erheblichen Behinderungen und das seit Jahrzehnten. Bereits Anfang der siebziger Jahre begannen erste Planungen für eine Umgehungsstraße, die das Verkehrsaufkommen mindern und den historischen Ortskern entlasten sollten. Doch die Umsetzung ließ 25 Jahre auf sich warten. Anfang Mai 2006 fiel schließlich der Startschuss für die 6 km lange und 16 Millionen Euro teure Umfahrung. Während der erste Bauabschnitt mit 2,5 km Länge bereits fertig gestellt ist, sind die Arbeiten am östlichen Teilstück noch in vollem Gange. Zahlreiche Bahn- und Straßenquerungen, vor allem aber die Beschaffenheit des Untergrunds, erschweren auf diesem Abschnitt die Baumaßnahmen: Zwischen Kilometer 3,7 und 5,7 schneidet die Umgehungsstraße das Laufinger Moos. Es ist eines der typischen bayerischen Torfmoore, die sich durch das Abschmelzen der Alpengletscher nach der letzten Eiszeit bildeten. Das Laufinger Moos besteht aus rund 9 m weichem, wenig tragfähigem und wassergesättigtem Torf. Darunter liegt eine bis zu 2 m mächtige Tonschicht, die von eiszeitlichen Kiesen und Schottern unterlagert wird. Schwierige Verhältnisse also für den Bau einer Straße, die auch noch tonnenschwere Fahrzeuge tragen soll. »Da das Torfmoor ökologisch und bauphysikalisch ein sehr sensibles System ist, konnten keine baulichen Eingriffe im Untergrund vorgenommen werden. Gleichzeitig musste die Auflast so gering wie möglich gehalten werden, ohne jedoch die Tragfähigkeit der Konstruktion zu beeinträchtigen«, erklärt Heinz Dirnhofer, Abteilungsleiter Planung und konstruktiver Ingenieurbau beim Staatlichen Bauamt Rosenheim. Diese Anforderungen ließen sich nur mit einem Straßendamm aus besonders leichtem Material realisieren, das den Auflastdruck auf die eigentliche Mooroberfläche auf ein Minimum reduziert. Die Lösung des Gewichtsproblems boten Liapor-Blähtonkörnungen, durch die die Bodenpressung in der Dammaufstandsfläche erheblich verringert und der Belastbarkeit des Untergrunds angepasst wurden. Dafür sorgt  unter anderem die geringe Trockenschüttdichte von 350 kg/m3. Außerdem reagieren die feinporigen, leichten Liapor-Tonkörnungen unempfindlich auf äußere Einflüsse wie Wasser, Frost oder Feuer. Liapor besitzt eine optimale Kornfestigkeit, ist besonders formstabil und staucht sich nachträglich nicht zusammen. Neben den Materialeigenschaften war das günstige Preis-Leistungsverhältnis ausschlaggebend. So sorgen künftig rund ­17.000 m3 Blähton der Körnung 4/16 mm aus dem österreichischen Liapor-Werk in Fehring dafür, dass die Umgehungsstraße nicht im Untergrund versinkt. Die Aufschüttung ist zwischen 0,3 und 1,8 m mächtig und wird allseitig umfasst von einem Geogitter aus Synthetikgewebe. Sie wird nach oben und unten durch 50 beziehungsweise 30 cm starke Schotterlagen begrenzt. Die seitlichen Dammbegrenzungen bestehen aus einer 30 cm starken Tonschicht, die mit Oberboden bedeckt ist. Dieser Aufbau des Fahrbahndammes sorgt bei geringem Gewicht für die nötige Stabilität, was durch zahlreiche Lastplattenversuche bestätigt wurde. »Eine Aufschüttung aus Blähtonkörnungen macht außerdem aufwändige Bodenaustauschmaßnahmen überflüssig. Dadurch verkürzt sich die Bauzeit, und die Eingriffe in die Natur werden minimiert«, so Jürgen Tuffner, Verkaufsleiter bei Liapor. Wie belastbar die neue Trasse bereits ist, zeigen die zahlreichen schweren Baumaschinen, die nur auf diesem Wege zu den Baustellen fahren können.


 


Ausgabe 3.2008